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Horus Rising

Cover Horus RisingNormalerweise bin ich ja kein großer Fan von Büchern zu den diversen Spieluniversen. Am treuesten war ich da wohl früher dem Battletech-Universum. Die meisten dieser Romane hinterlassen aber einen eher schalen Nachgeschmack: Es kracht zwar ordentlich aber erzählerisch bekleckern sich die Autoren selten mit Ruhm.
So war es auch eher aus einer Laune heraus, daß ich mir mal den ersten Band der relativ neuen Horus Heresy-Reihe von Black Library geholt habe. In dieser neuen Reihe wird nun endlich das definierende Ereignis und Ur-Trauma des Warhammer 40k-Universums erzählt: Das Verfallen ganzer Legionen der Adeptus Astartes an die dunklen Götter des Chaos und der daraus resultierende Bürgerkrieg im Imperium.

Der erste Band der ersten Trilogie trägt den Titel „Horus Rising“ (ISBN 978-1-84416-294-9) und wurde von Dan Abnett geschrieben. Wer erwartet, das der Erzähler direkt in medias res geht, wird enttäuscht: Die gesammte erste Trilogie behandelt erstmal den Weg Horus´ vom loyalen „Sohn“ des Imperators zum Verräter. Die eigentliche Horus Heresy beginnt also erst im dritten Band.

Der Leser verfolgt das Geschehen zum größten Teil aus der Sicht von Captain Loken, einem Space Marine der Luna Wolves, Horus´ eigener Legion. Loken steigt zu Anfang des Buches in den Kreis der Vertrauten um Horus auf. Durch die Augen dieses sehr loyalen aber auch kritischen Astartes sowie einiger ziviler Beobachter, der sogenannten Remembrancer, einer Art „embedded war journalists“, wird man Zeuge der Unterwerfung eines Planeten, der sich dem Imperium verweigert. Die faschistische Grundeinstellung des Imperiums ist bereits hier vorgegeben: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt kein „neutral“. Sowohl Horus als auch Loken haben durchaus Zweifel an diesem vorgehen: Bei den tausenden von Welten im Imperium – welche Bedeutung hat da schon ein Planet? Aber dennoch: Der Wille des Imperator muss getan werden.
Die Eroberung des Planeten hat aber noch einen weiteren Aspekt: Hier trifft Loken das erste mal auf Kreaturen des Warp und er lernt, daß die Barriere zwischen unserer Dimension und dem Warp dünner ist, als er glaubte. Dieses Kapitel ist wirklich sehr stimmig geschrieben und hat mir besonders gut gefallen. Idealer Stoff für ein Rollenspielabenteuer.
Im zweiten Teil des Buches geht es um die Unterwerfung eines von Tyraniden-ähnlichen Wesen bevölkerten Planeten und das zusammentreffen mit einem anderem menschlichen Reiches. Wieder stellt sich die Frage: Müßen diese Menschen unterworfen werden, weil Sie nicht die Oberherrschaft und reine Lehre des Imperators anerkennen oder könnte man Sie nicht als Partner dulden?

Nicht umsonst trägt der Band den Untertitel „The seeds of heresy are sown“. Immer wieder müssen die Protagonisten die Dinge an die sie glauben und als unumstößlich erachteten in Frage stellen.
Als 40k-Kenner muss man manchen Absatz zweimal lesen, da einem der Inhalt falsch vorkommt. Das Imperium kämpft gegen Religion und Aberglaube? Der Imperator selbst verbittet sich jegliche Verehrung als höheres Wesen? Rituelle Praktiken jeder Art werden verachtet? Bitte? Ach ja – das Buch spielt ja Jahrtausende vor der Zeit, die normalerweise mit Warhammer 40k in Verbindung gebracht wird. Der Imperator lebt noch (wirklich) und hat bis vor kurzem selbst den großen Kreuzzug angeführt und gerade erst die Führung an Horus abgegeben. In sofern gibt das Buch die alte Weisheit wieder „Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert“.

Wo Dan Abnett außer Frage überzeugt, sind die Action-Szenen. Das SciFi-Magazin SFX bezeichnet in wohl nicht zu Unrecht als „the master of war“ und seine Schilderungen des Krieges sind tatsächlich äußerst…plastisch. Abgesehen davon gefiel mir Schreibstil aber insgesamt tatsächlich recht gut und nachdem ich dem Buch die ersten 50 Seiten lang aktiv kritisch gegenüber stand, muß ich doch zugeben, daß es ein gutes Buch ist. Natürlich nur für Fans von 40k und als leichtes Buch für zwischendurch. Aber innerhalb dieses Rahmens ist es wirklich gut zu lesen. Mir hat vor allem gefallen zu sehen, wo das Imperium mit völlig anderen Maximen und Ideen gestartet ist, als es dann später erreicht hat. Ebenso auch die Bereiche, wo sich offenbar in den Jahrtausenden dazwischen nichts geändert hat.
Außerdem ist es natürlich ein erhebendes Gefühl, den Primarchen der Astartes so nahe zu sein und Sie bei Ihren Entscheidungsfindungen zu beobachten. Auch Loken als Zweifler und sympatische Identifikationsfigur funktioniert sehr gut. Das Buch macht tatsächlich einfach Spaß.

Ich werde mir jedenfalls noch die zwei weiteren Bände der ersten Trilogie holen. Danach werde ich wohl nicht weiterlesen, da mir so Endlos-Zyklen ja einfach zu wieder sind. Aber wie die Horus Heresy genau angefangen hat, möchte ich jetzt doch noch wissen…

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